37. Tube – Gehe zurück auf Los und fang an richtig zu spielen.


Geldanlage will überlegt sein.Macht Geld glücklich? Gibt Geld Sicherheit? Lohnt es sich ums Geld zu streiten? Was denkt wohl das Mädchen?
Denkt es darüber nach das Geld zu sparen oder wie viel Lollis kann ich dafür wohl kaufen?
Schreib mir, was du denkst.

Es ist Freitag, 7.04 Uhr. Ich schaue auf die Elbe. Sie liegt ganz ruhig da. Es ist nebelig. Ich höre, wie sich ein Schiff nähert. Jetzt taucht es aus dem Nebel auf und zieht an mir vorbei. Es hinterlässt Heckwellen, die sich in V-förmig langsam ausbreiten. Herrlich. Die Vögel zwitschern. Es ist ganz friedlich. Ich bin alleine. Die Kinder sind schon auf dem Weg zur Schule.

„Boa – hat die es gut. Die wohnt anscheinend direkt an der Elbe. Die hat ja gut reden mit genügend Geld auf dem Konto,“ höre ich jetzt den einen oder anderen Leser dieses Blogs denken.

Ja, so habe ich früher auch mal gedacht. „Wenn ich doch nur genügend Geld hätte, dann wäre alles gut. Dann bräuchte ich mir keine Sorgen mehr zu machen.“

Hattest du auch schon diesen Gedanken? Genau deshalb habe ich früher gerne Lotto gespielt. Ich habe mir dann immer ausgemalt, was ich tun würde, wenn ich den Jackpot knacke. Würde ich es jemandem erzählen oder einfach so tun, als ob nichts passiert wäre? Letzteres… einfach so weiter machen wie bisher. Nur dann würde ich mich viel besser und lockerer fühlen. Hach wäre das toll.

Als Teenager habe ich es geliebt, Monopoly zu spielen. Mit meinem Bruder und ein paar Nachbarskindern haben wir Sessions über mehere Tage hinweg veranstaltet. Das schönste Gefühl für mich war es, alle rot-lila-farbenen Scheine zu sammeln und zu besitzen. Insider wissen jetzt, dass diese Scheine die 10.000er Scheine waren. Es ging mir tatsächlich darum, den ganzen Stapel haben zu wollen. Es ging mir nicht darum hübsche Häuser und schöne komfortable Hotels in der Seestraße zu errichten und dort Gäste zu empfangen. Es ging nicht darum einen Bahnhof zu betreiben, von dem Reisende in die Welt fahren. Es ging schlichtweg darum, Papier zu besitzen.

Ich erinnere mich an eine Klassenkameradin. Sie waren drei Kinder. Der Vater, Unternehmer, hielt eines Tages seinen drei Kindern drei Geldstücke hin: ein 5-Mark-Stück, ein Mark-Stück und 50 Pfennig.

Er fragte die Älteste: „Was möchtest Du haben?“

Sie zeigte auf die 5 Mark.

Er fragte seinen Sohn, den Zweitältesten: „Was möchtest Du haben?“

Der Sohn antwortete: „Das 5-Mark-Stück.“

Jetzt fragte er die Jüngste, meine Klassenkameradin: „Und was möchtest Du haben?“

Sie antwortete: „Alles.“

Der Vater freute sich: „Sehr gut.“ und gab ihr alle drei Geldstücke.

Mit großem Stolz berichtete sie am nächsten Tag davon. Irgendwie hatte ich ein komisches Gefühl in der Magengegend. War das wirklich schlau?

Am Anfang unserer Ehe war es unser Traum, ein abbezahltes Einfamilienhaus zu besitzen.„Dann haben wir es geschafft,“ dachten wir. Wir hatten es geschafft und dann kam die Scheidung, und wir fingen an, Monopoly zu spielen. Wer ist am cleversten. Wer setzt sich am meisten durch. Wer sammelt am meisten Geldscheine. Und so dauerte dieses Spiel nicht nur ein paar Tage, sondern viele viele Monate. Wir waren doch schon Gewinner und machten uns selbst zu Verlierern. Rechtsanwaltskosten, Gutachterkosten und vor allem wertvolle Zeit. Zeit, die ich vor allem mit schlechten Gefühlen verbrachte. Es ging um Recht haben, es ging um „das lasse ich nicht mit mir machen“. Es ging nur um Gefühle. Das Spiel verselbständigte sich und es machte gar keinen Spaß. Es ging nicht darum, wie gestalte ich mein neues Leben. Auf was freue ich mich? Was wünsche ich mir für meine Zukunft? Oder ich bin dankbar, dass ich gesund bin. Ich bin dankbar, dass es meinen Kindern gut geht. Ich bin dankbar, dass ich ein Dach über dem Kopf habe. Ich bin dankbar, dass ich warm duschen kann.

Wie damals im Studium. Ich hatte 800,- Mark im Monat zur Verfügung. Ich wohnte auf 11,4 Quadratmetern inklusive Küchenecke und Bad. Es war herrlich. Ich hatte alles, was ich brauchte: Einen ein Meter breiten senffarbenen Kleiderschrank, ein 90 Centimeter breites Bett, zwei Herdplatten, einen Schreibtisch und eine Monatskarte für die Mannheimer Verkehrsbetriebe. Fertig. Ich fühlte mich frei. Ich konnte nur gewinnen.

Ist das nicht schräg? Anscheinend hat das Gefühl gar nichts mit der tatsächlichen Höhe des verfügbaren Geldes zu tun?

Ich kenne Multimillionäre, die mehr Angst davor haben, dass ihr Geld weniger wird oder dass Freunde und Verwandte nur an ihr Geld wollen, als dass sie sich sicher und geliebt fühlen…

Irgendetwas stimmt hier doch nicht oder? Was machen wir denn da? Um was geht es denn eigentlich wirklich?

Friedrich Schiller sagte einmal „Der Mensch ist erst dort ganz Mensch, wo er spielt.“

Geht es beim Spielen ums Gewinnen? Offensichtlich ja irgendwie doch nicht. Und so lerne ich mit über Vierzig einfach nochmal ganz neue Spielregeln. Ich erlaube es mir Fehler zu machen, ich freue mich sogar darüber. Ich lache inzwischen, wenn etwas schief geht, wo ich mich früher noch geärgert habe. Ich genieße es in der „Badstrasse“ zu wohnen und fahre einfach in die Parkstrasse und Schlossallee zum Spazierengehen.

Jetzt hat sich der Nebel verzogen. Direkt vor mir hat ein Bagger-Schiff festgemacht und baggert die Elbe aus. Das ist wichtig, damit die dicken Containerschiffe, die Hamburg anlaufen, nicht auf Grund laufen. Inzwischen laufen Menschen mit ihren Hunden an mir vorbei und wundern sich, warum da jemand auf der Parkbank mit einem Laptop sitzt. Ich klappe den Rechner zu und gehe noch an den Villen, die Elbblick haben vorbei. Ich schaue in die Fenster und sehe niemanden, der auf die Elbe schaut.

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3 Gedanken zu „37. Tube – Gehe zurück auf Los und fang an richtig zu spielen.

  1. Schöner Beitrag, liebe Barbara!

    Wir sollten alle mehr auf die Elbe, die Isar oder auf die Berge schauen. Die Natur macht mich reich. Ich liebe den Bergblick wenn ich auf der Bank an der kleinen Kapelle sitze.

    Jeder, der von unserem Umzug hört, sagt sofort: „Toll, habt ihr gebaut oder gekauft?“
    Nein, wir wohnen zur Miete. Am Land. Wir müssen kein Haus besitzen, es reicht uns, in einem zu wohnen :-). Und es fühlt sich großartig an!

    Herzliche Grüße
    Melanie

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