10. Tube – Mach, was Du willst.


Was ist eigentlich die Midlife-Crisis genau?

Laut Wikipedia ist mit dem Begriff ein psychischer Zustand der Unsicherheit im Alter von 30 bis Anfang 50 gemeint ist. Im Unterschied zu seelischen Störungen im engeren Sinne bestehe keine eindeutige Abgrenzung einerseits zum natürlichen, gesunden Seelenleben und andererseits zu spezifischen psychischen Störungen. Es ist eine Phase im Leben, die jeden trifft. Den einen mehr, den anderen weniger. Es taucht das Gefühl auf: „ Eigentlich kann es ja nicht mehr besser werden. Ab jetzt geht´s nur bergab.“ Und dagegen rebellieren wir – also die, die in der Krise sind – erst einmal kräftig. Männer kaufen sich ein Motorrad und holen die alte Lederkombi raus. Frauen belegen gerne Tangokurse und ziehen höhere Schuhe an. Trennungen finden zuhauf statt und es gibt lauter neue Vomexen und Vomexinnen (Erklärung dazu in der 7. Tube) – wir kennen es zur Genüge.

Und jetzt sag mir mal einer: Was ist der Unterschied zur Pubertät? Auch das ist ein psychischer Zustand der Unsicherheit, allerdings im Alter von zwölf bis Anfang 18. Auch hier höre ich immer wieder die tröstenden Worte, es sei ein natürlicher Zustand – obwohl ich das manchmal nur sehr schwer glauben kann. Es ist eine Phase im Leben, die jeden trifft. Manche mehr, manche weniger.

Passt doch alles, oder? Die Jungs ziehen sich Hosen an, die so weit herrunterrutschen, dass der Hintern rausschaut. Die Röcke der Mädchen werden immer kürzer. Und Schluss mit dem Freund machen die Kids in diesem Alter im Monatsrhythmus.

Also wo bitteschön ist der Unterschied?

Die Gespräche der Erwachsenen handeln von Trennungen und wie blöd der Partner oder der Ex-Partner ist:
„Weißt Du, was er oder sie jetzt schon wieder gemacht hat? …
… Er hat nur einmal den Rasen gemäht. Ein einziges Mal!“
… Immer soll ich an allem Schuld sein.“
… Jetzt will sie sogar alleine in den Urlaub fahren.“
… Er zieht mit ihr in ein neues Haus. Und das Bad ist viel schöner als in unserem alten Haus.“
… Er kauft seinen Kindern ein viel schöneres Auto als meinen.“
… Jetzt ist nicht nur meine Freundin weg. Sie will mir auch noch mein Boot wegnehmen.“

Und bei den Pubertierenden? Da werden die Seelentiefs demonstrativ ausgelebt:
„Mir geht´s total schlecht, weil…
…sie nicht mit mir gehen will.“
…die Lehrer alle sooo gemein sind.“
…mein Vater so oft weg ist.“
…meine Mutter immer da ist.“

Du lieber Himmel! Je genauer man hinsieht, desto mehr ähneln sich die Verhaltensweisen. Und das Irre ist: Es nervt uns bei unseren Teenagern – mich jedenfalls. Und bei uns selbst merken wir oft gar nicht, dass wir es ganz genauso machen. Bei unseren Kindern schütteln wir den Kopf über deren „Probleme“. Und bei uns Erwachsenen? Sind das überhaupt echte Probleme? Ich glaube, dass unsere Kinder auch mit dem Kopf schütteln, wenn sie uns hören.

Unser Leben ist ja ein geschlossener Kreislauf – von der Geburt bis zum Tod. In der ersten Hälfte herrschen die aufbauenden Kräfte und in der zweiten Hälfte die abbauenden. Man spricht hier von Spiegelung. Phasen in der ersten Lebenshälfte finden sich spiegelverkehrt in der zweiten wieder. Mein Spiegelalter ist 15. Also bin ich ja jetzt quasi wieder in der Pubertät! Damit wird mir jetzt endlich klar, was mit mir los ist. Und ich bin sehr dankbar, eine Tochter im Pubertätsalter zu haben. Wir machen praktisch das Gleiche durch.

Und das ist gut so. Wo wären wir ohne Pubertät und Midlife-Crisis? Hier haben wir alle eine riesengroße Chance, das zu tun, was wir wirklich wollen. Hat es beim ersten Mal nicht geklappt, gibt es ja noch die zweite Chance.

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6 Gedanken zu „10. Tube – Mach, was Du willst.

  1. Also midlife crisis bis 50?
    Das ist cool, dann wird man sicher 100 Jahre alt, das wär dann schon die Erwartung ans Universum…
    by the way, darf ich dann später überhaupt nochmals ’ne crisis bekommen? Um den Kauf meines Porsches zu ‚begründen‘?
    Vielleicht gönne ich mir meinen Spass einfach ohne vorgängige cry-ei-ei-ei-sis (-;
    Es macht richtig Spass, Deinen Blog zu lesen, danke Dir!

  2. Hallo Barbara,
    gratuliere zur 10. Tube! Diese finde ich wieder richtig klasse. So einleuchtend… Man kommt den Tatsachen wieder ein Stückchen näher. Und relativiert seine eigenen Problemchen. Du müsstest einmal täglich im Radio kommen. Damit man zwischen den „Tuben“ nicht immer wieder vergisst, wie schön und viel zu kurz das Leben doch ist, um sich zu sorgen. Morgens zum Aufstehen, fände ich super! So als Wort zum Tage…
    Britta

  3. Pingback: 11. Tube – Mitleids-Crisis | BARBARA – Der Senf ist alle!

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