5. Tube – Wie macht die Kuh?


Eigentlich ist das Leben ja ganz einfach. Zumindest, wenn wir uns die Tiere ansehen.

Katzen, Kühe und Pferde zum Beispiel. Die laufen oder stehen einfach rum. Kühe glotzen, fressen Gras, legen sich hin und kauen. Dann schlucken sie es runter, holen es wieder hoch und schlucken es wieder. Pferde grasen, stehen, spielen und galoppieren. Manchmal balgen sie miteinander. Katzen schlafen viel, laufen durch die Gegend und spielen mit Mäusen. Damit sie sich nicht so anstrengen müssen, hauen sie erst einmal richtig drauf auf die Maus, dann ist sie nicht mehr so schnell. Dann legen sie sich hin wie ein Löwe im Steppengras und beobachten ihr Spielzeug. Wenn die Maus sich nicht mehr bewegt und das Spiel zu langweilig wird, tippen sie die Maus einfach ein wenig an und dann geht’s wieder los. Und das war es schon. Das ist überschaubar. Auch Ameisen und die Bienen sind super organisiert. Da hat jeder seine genaue Aufgabe.

Tiere diskutieren nicht und machen sich keine Sorgen. Kühe überlegen nicht, ob sie wohl genug Heu haben, um ihre Rente zu überstehen oder was wohl die andere Kuh auf der Weide über sie denkt. Sind wohl meine Flecken nicht so schön wie ihre?

Noch nie habe ich ein Tier in der freien Natur gesehen, das durch die Gegend geschlurft ist und den Kopf hat hängenlassen hat. Das gibt es nicht. Sie fressen, kämpfen, flüchten, entspannen, spielen oder paaren sich. Das war´s – schön einfach und überschaubar. Es gibt keine Selbsthilfegruppen, kein Gejammer und keine Hypochonder. Es gibt einfach eins auf die Nuss, wenn einer dem anderen das Weibchen wegnimmt oder auch nur das Revier betritt. Ganz ohne Ehevertrag oder Eintrag ins Grundbuch. Ganz einfach halt.

Und was machen wir Menschen?

Kürzlich zum Beispiel in der Flughafentoilette. Eine schicke Mittsechzigerin mit senfgelber Steppjacke und Ballerinas von Chanel steht neben mir. Die Marke habe ich an den zwei fetten „C“s auf der Schuhspitze erkannt, nach dem Motto: „Meine Flecken sind viel teurer.“ Ein Berg von Schmuck liegt vor ihr am Waschbecken. Sie jammert mit weinerlicher Stimme: „Ach, jetzt muss ich nach der Sicherheitskontrolle wieder den ganzen Schmuck anziehen.“ Was würde eine Kuh da wohl denken, wenn eine andere so was zu ihr sagen würde? Ich sage: „Och, das ist doch schön, so viel Schmuck zu haben.“ Sofort kommt zurück: „Ja, aber es gibt immer noch jemand, der mehr hat.“

Hä? Erst war´s zu viel und jetzt zu wenig. Das machen Tiere doch alles nicht! So ein unnötiger Blödsinn. Ich reagiere, ohne viel nachzudenken. Mein Arm streckt sich mit nach oben geöffneter Handfläche zu ihr hin und mein Mund sagt: „Ich helfe Ihnen gerne, wenn Sie damit ein Problem haben.“ Mein Blick richtet sich auf den Schmuckhaufen. Die andere Kuh auf der Weide wäre irritiert gewesen. Ist sie auch: Mit einem falschen Lächeln lösen wir unser Treffen auf. Am Gate nach Hamburg macht sie einen Riesenbogen um mich. Blöde Kuh.

Muuuuuuuuh!

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5 Gedanken zu „5. Tube – Wie macht die Kuh?

  1. Sehr schön – ich lach mich kaputt. Ich bin/war stolze Besitzerin zweier kastrierter Kater. Der eine war ein Tonkanese (eine eigene Rasse aber Kreuzung zwischen Siam und Burma Katze) und der andere ein schwarz weisser EKH (Europäisch Kurzhaar), also ein normaler Stallkater. Ich habe sie spät im Alter von 6 Jahren übernommen – bekannte Geschichte, kleine Wohnung in der Innenstadt mit 4 Katzen und 2 haben den „Gang“-krieg verloren, da die anderen beiden noch teurer waren. Sie waren also auf dem Weg zum Tierheim und haben einen Abstecher bei mir gemacht 😉
    Der Tonkanese lies nach ein paar Wochen zwar nicht den Kopf hängen, aber den Schwanz. Laut Tierarzt hatte er eine ausgewachsene Depression (und da dachte ich „hä“ – sowas gibt es doch bei Tieren nicht). Bis dahin wusste ich auch nicht, dass es Antidepressiva für Katzen gibt.

    Naja, das eigentliche Problem ist wohl Besitz und das man ihn nicht gern verliert. Es gibt diesen Film mit George Clooney „Up in the air“ – er gibt Seminare, in denen er die Teilnehmer bittet, sich einen Rucksack vorzustellen und alles reinzupacken, was sie auf einer Reise mitnehmen wollen und dann sollen sie den Rucksack leicht machen – also alles das rausnehmen, was nicht notwendig ist und belastet.

    Die Dame auf der Toilette war wohl noch in der Einpack – Phase 😉

  2. Ich denke er fährt ein großes und es gibt bestimmt jemanden, der ein noch größeres fährt – ich danke Dir für die schönen Beobachtungen.

  3. Hi Barbara, super Text, das Leben ist schön, die Sonne scheint …. habt ihr Eure Katze noch? Liegt sie gerade irgendwo und schnurrt zufrieden ? Das können wir auch ;-).
    Liebe Grüße, Silke

  4. Liebe Silke,
    jaaaaa. Alles ist so schön. Und die Katze schläft und spielt mit den Vögeln.
    Ich freue mich, dass Du das Leben so in vollen Zügen genießt und meinen Text liest.
    Ach soooooo schöööön.

    Danke!!

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